Erziehung: Wie lernen Pferde?

All jenes Verhalten, das bei unseren Pferden zu beobachten ist, wird nur durch deren Wunsch motiviert, den eigenen Zustand zu optimieren.  Nur auf dieser Grundlage (Bedarfsdeckung und Schadensvermeidung sind dem Pferd angeboren) funktionieren Erziehungselemente wie "Belohnung" oder "Tadel". Pferde tun bestimmte Dinge nicht auf Kommando, weil sie uns so sehr lieben oder weil sie uns als "Chef" anerkennen. Sie reagieren auf unsere Signale, weil sie gelernt haben, dass es sich für sie ganz individuell lohnt, darauf zu reagieren. 

 

Der gängige Begriff "Erziehung" wird normalerweise auf den Vorgang angewandt, wo ein Lebewesen lernt, sich in eine bestimmte Gesellschaft und deren Spielregeln einzugliedern. Ich als als Verhaltenstherapeutin und Ausbilderin sage aber, es reicht nicht, meinem Pferd zu sagen: " Es ist gut. Es besteht keine Gefahr." Mein Pferd wird erst dann bereit sein, auf ein Verhalten zu verzichten, was ihm über Millionen von Jahren nützlich war, wenn es selbst wirklich davon überzeugt ist, dass keine Gefahr droht. Ich möchte, dass mein Pferd lernt, mir zu vertrauen und mein Kommando, mein Signal, für Entwarnung zu verstehen und zu verknüpfen. Ich muss also eine Form der Kommunikation wählen, die das Pferd versteht. Du weißt bestimmt, dass du als Reiter oder Pferdehalter dann am intensivsten mit deinem Pferd kommunizierst, wenn du mit ihm trainierst oder arbeitest. Jedoch auch wenn du nur da bist und das Pferd dich wahrnehmen kann, kommunizierst du (häufig auch unbewusst) mit deinem Pferd. Ein Pferd achtet immer auf das Ausdrucksverhalten in Form von Körpersprache und Mimik. Eine Kommunikation über Geräusche ist absolut zweitrangig. 

 

Als Ausbilderin und Pferdetrainerin sehe ich oft unerzogene Pferde.

Deshalb appelliere ich so oft es geht: Eine sorgfältige Erziehung sowie ein liebevolles,ruhiges, und geduldiges, klares Training sind absolut unerlässlich. Ein unerzogenes Pferd ist nicht nur eine Nachlässigkeit, sondern kann ganz klar lebensgefährlich sein! Mit Erziehung meine ich jedoch nicht das stupide Abrichten sondern ich möchte die individuellen Talente des Pferdes so fördern, dass es Verständnis für seine Tätigkeit entwickelt. Für mich bedeutet, ein Pferd zu erziehen oder auszubilden bzw. trainieren zu dürfen, es das lernen zu lassen, was ich für relevant (bezogen auf Sicherheit, Gesunderhaltung, Gymnastizierung) halte. Es bedeutet, dem Pferd bestimmte, ganz konkrete Handlungs-/Verhaltensweisen auf konkrete Signale hin beizubringen. Solch ein Signal kann ein Stimmsignal wie "Hoooohhh!" sein, das dazugehörige Handlungsverhalten wäre, das Pferd bleibt stehen. Es kann aber auch ein taktiles Signal (Berührung) sein, wie z.B. eine Schenkelhilfe oder Gewichtsverlagerung und die dazugehörige Handlung wäre, die Gangart oder die Bewegungsrichtung zu wechseln.  Kommunikation funktioniert in meinen Augen wirklich nur dann, wenn beide Kommunikationspartner ein bestimmtes Signal mit exakt dem gleichen Informationsgehalt verknüpfen. Pferd und Mensch müssen wissen, was damit gemeint ist. Da ich als Ausbilderin die Signale vorgebe, ist es meine Aufgabe, dem Pferd deren Bedeutung zuerst beizubringen. 

 

"Lernen dient immer der Optimierung des eigenen Zustandes." Diesen Satz kennt jeder, der sich schon etwas mit Pferdelernverhalten beschäftigt hat. Pferde (und auch andere Tiere) müssen lernfähig sein, um z.B. ein erneutes Zusammentreffen mit dem Feind zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort des Reviers für die Zukunft vermeiden zu können. Oder sie müssen auch lernen, wo es das beste Gras gibt. 

Pferde lernen hauptsächlich über Assoziationen (Verknüpfung von Einzelereignissen) aber es kommt auch zu Habitationen (Gewöhnungsprozessen). Hier handelt es sich dann um ein Verlernen einer bestimmten Verhaltensreaktion aufgrund eines bestimmten Reizes. 

 

Damit das Gehirn unseres Pferdes nun lernen kann, braucht es natürlich die Kommunikation, einen Nachrichtenaustausch, bei dem eine Verständigung stattfindet. Kommunikation findet immer statt, denn wir nehmen in jeder Sekunde permanent Signale aus der Umwelt auf. Jeder Reiter z.B. kommuniziert beim Training bewusst und intensiv mit seinem Pferd. Häufig aber auch völlig unbewusst. 

Training bedeutet für mich immer eine Form von intensivem Sozialkontakt. Wenn wir als Pferdemenschen den Stellenwert des Ausdrucksverhaltens des Pferdes nicht beachten, können sich Fehler in der Kommunikation einschleichen und dann folgen natürlich irgendwann Probleme im Training oder überhaupt im Miteinander. 

 

Wie lernen also Pferde? Lernen kann nur parallel zu einer intensiven Kommunikation stattfinden. Denn ohne eine Form des Nachrichtenaustauschs wird es nicht funktionieren. Es werden Informationen über die Umwelt und Zusammenhänge zwischen bestimmten Dingen vom Pferd gelernt. Pferde lernen ständig - immer. Sie passen sich täglich Situationen und ihrer Umgebung neu an. Sie reagieren sowohl auf das, was wir Menschen tun, als auch auf das, was wir nicht tun. Wenn unsere Pferde lernen, denken sie nicht nach, sie reagieren. Sie sind regelrechte Naturtalente, wenn es darum geht, Reize mit Reaktionen zu verknüpfen. Das Pferd lernt also immer - ob es uns Menschen nun bewusst ist, was wir ihm gerade beibringen oder nicht. 

 

Pferde haben ein Assoziationsvermögen, können also sehr gut Aktion und Reaktion sowie Reiz und Antwort verknüpfen.

 

Das Assoziationsvermögen ist mein Schlüssel zur Ausbildung von Pferden, denn Pferde möchten Korrekturen vermeiden und Lob und Belohnung empfangen. Pferde sind eben wahre Harmoniewesen. 

Meine Philosophie

Jedes Pferd ist ein Individuum, er wurde geformt von den Menschen, die von Anfang an mit ihm umgegangen sind. Für mich gibt es kein "Schema F", keine Methode nach der ich arbeite. Gewiss gibt es Pferdeleute wie Buck Brannaman oder ein Manuel Jorge de Oliveira die mich inspirieren. Durch zusehen, lernen und fühlen habe ich mit den Jahren meine eigene Philosophie daraus entwickelt. Horselearning by Susn.

 

Ob es nun ein Pferde-Menschen Gespann ist, das einfach mehr lernen möchte in Sachen Kommunikation oder gymnastizierender Bodenarbeit oder wirkliche sogenannte "Problempferde", die meist Schlimmes erlebt haben, durch viele Hände gereicht wurden oder sich im Laufe der Jahre einfach verschiedene Dinge eingeschlichen haben und das unerwünschte Verhalten einfach nicht oder nicht richtig korrigiert wurde. Ich nehme mich deren sehr gern an.

Oft treffe ich auch auf Menschen mit tiefen Ängsten, Sorgen oder auch Depressionen, die von ihren Pferden sehr deutlich gespiegelt werden und so Probleme entstehen. 

 

Deshalb ist meine Philosophie, mein Leitsatz ganz klar:

"Alles beginnt am Boden."

 

Ihr werdet ein Team sein, bei dem es einen Leader (Anführer) und einen Follower (Folgenden) geben wird. 

Eine Partnerschaft mit deinem Pferd ist schön und wertvoll und es ist auch ein langer weg dorthin, aber für einen sicheren Umgang und ein sicheres, entspanntes Reiten ist es unbedingt notwendig, dass DU der Leader und dein PFERD der Follower wird. 

Das Pferd stuft den Menschen ab dem ersten Moment des Zusammentreffens ein, in rangniedriger, ranggleich oder ranghöher.  Wie du ranghöher als dein Pferd wirst, erarbeiten wir in der Kommunikation, aber auch in der Bodenarbeit / Freiarbeit. 

Denn ich bin der festen Überzeugung, dass etwas, was vom Boden aus nicht funktioniert, auch im Sattel nicht funktionieren kann. 

 

Jedes Pferd, jeder Mensch ist anders, deshalb ist mir die individuelle Betrachtung jeden einzelnen Falles immens wichtig und jedes Problem ist anders zu lösen. 

Wichtig ist mir hier immer, die Ursache des unerwünschten Verhaltens bzw. der Verhaltensauffälligkeit zu erkennen, und dich dort abzuholen, wo dein Pferd und du stehst. 

Ich erarbeite mit Hilfe einer genauen Anamnese und der Analyse von Haltung, Fütterung, Ausrüstung und eventuellen Blockaden deines Pferdes einen flexiblen Trainingsplan, mit dem wir gemeinsam an das von euch erreichbare Ziel kommen.

 

Betonen möchte ich noch, dass mir keinesfalls etwas an Turniererfolgen liegt. Ich arbeite immer ruhig, konsequent, gewaltfrei, liebevoll und schonend mit dem mir anvertrauten Pferd. Ich trainiere die Pferde gesunderhaltend mit Rücksicht auf deren individuelle Anatomie.


Pferde sind immer der Spiegel deiner Seele.