Das Sozialverhalten der Pferde

Was ist eigentlich Sozialverhalten? 

Darunter verstehen wir alle Verhaltensweisen eines Pferdes, die gegen einen Artgenossen gerichtet sind sowie auf dessen Reaktion / Aktion abzielen. 

Dazu gehört z.B. die Kooperation wie gegenseitige Körperpflege oder die Konfrontation wie aggressive Konflikte um eine Ressource.

 

 

 

 

Verhaltensbiologen fanden bereits vor langer Zeit heraus, dass bei Pferden die Verteilung der Nahrung keine große Rolle für die Entstehung sozialen Verhaltens gespielt hat, denn Gras war über große Gebiete verteilt und immer für alle gleichermaßen knapp oder auch reichlich verfügbar. In ihrer natürlichen Umwelt müssen Pferde selten um ihr Futter kämpfen. Es ist für jedes einzelne Pferd von Vorteil, in einer Gruppe zu leben, wenn sich ein Raubtier nähert, denn viele Augen- und Ohrenpaare sind besser als nur eines. 

Alle sozialen Verhaltensweisen sind angeboren, doch das gegenseitige Verstehen dieser Ausdrucksformen muss erst erlernt werden. Deshalb ist es für die soziale Entwicklung von Fohlen und Jungpferden von enormer Wichtigkeit, dass sie in Gruppen aufwachsen können. Nur in der Gruppe aufgewachsene Pferde können die "Sprache" ihrer Artgenossen auch verstehen und sind fähig, in angemessener Form Rangbeziehungen zu klären. Hat ein Fohlen / Jungpferd als Sozialpartner nur seine Mutter, ist eine soziale Fehlentwicklung meist vorprogrammiert. Pferde ohne ausreichende Sozialerfahrung in den ersten Lebensjahren bleiben ihr Leben lang problematisch, sobald sie in engeren Kontakt zu anderen Pferden treten. Es ist meist auch so, dass diese fehlende Erfahrung nicht mehr nachträglich erlernt werden kann. Diese isoliert aufgezogenen Pferde haben dann meist Angst vor anderen Pferden, da sie das Ausdrucksverhalten ihrer Artgenossen leider nicht ausreichend einschätzen können.

Aus dieser Angst heraus reagieren diese schwierigen Pferde dann der Situation nicht angemessen, sie schlagen oder beißen bei der geringsten Gelegenheit.

Andere stehen eher abseits und sind ständig auf der Hut vor den anderen Herdenmitgliedern. 

Solche Pferde sind meiner Meinung nach leider für die Gruppenhaltung nicht geeignet, da dieses Leben für sie absoluten Stress bedeutet, und entweder ihr eigenes Verletzungsriskio oder das der anderen Pferde extrem hoch ist.

Für solche Pferde empfehle ich meist eine Paddockbox mit ausreichend "benachbarten" Sozialkontakten zu Artgenossen.